SoundInsightN°44

01
Märkte folgen langfristig Fundamentaldaten, nicht Schlagzeilen.
02
Wachstum bleibt trotz Unsicherheit stabil.
03
Engpässe entstehen zunehmend bei Energie und Infrastruktur.

Anleihen

Einschätzung
Zinsniveau
Risikoaufschläge
Nicht attraktivAttraktiv

Aktien

Einschätzung
Risikoprämie
Frühindikatoren
Risikoindex
Nicht attraktivAttraktiv
Veröffentlicht am 20.4.2026 von Christian Luchsinger

Zwischen Signal und Rauschen

Die vergangenen Wochen standen im Zeichen geopolitischer Spannungen rund um den Iran. Die Nachrichtenlage war intensiv, die Unsicherheit hoch und die Volatilität erreichte zwischenzeitlich Niveaus, wie zuletzt nach den US-Zöllen am «Liberation Day».

Umso bemerkenswerter ist die Reaktion der Märkte: Nach der Korrektur im März haben sich viele Risikoanlagen rasch erholt. Globale Aktienmärkte konnten mehrere Tage in Folge zulegen und notieren teilweise bereits wieder auf Rekordständen.

Das führt zu einer zentralen Frage:
Unterschätzen die Märkte die Risiken – oder gelingt es ihnen, zwischen kurzfristigem Rauschen und fundamentalen Signalen zu unterscheiden?

Unsere Einschätzung: Die Märkte blicken durch die kurzfristige Unsicherheit (Rauschen) durch und richten sich zunehmend an den strukturellen Treibern (Signal) aus.

Rauschen: Nicht von Dauer
Geopolitische Ereignisse entfalten ihre Wirkung unmittelbar. Sie erhöhen Risikoprämien, treiben die Volatilität und prägen das kurzfristige Anlegerverhalten. Der aktuelle Konflikt ist hierfür ein typisches Beispiel – insbesondere über den Energiesektor.

Doch entscheidend ist nicht die Intensität der Reaktion, sondern ihre Dauer. Die zentrale Frage bleibt, ob solche Ereignisse die wirtschaftliche Dynamik strukturell beeinträchtigen – oder ob sie letztlich temporär bleiben und damit als Rauschen interpretiert werden dürfen.

Aktuell verdichten sich die diplomatischen Bemühungen rund um den Iran-Konflikt. Erste Gespräche zwischen den involvierten Parteien haben begonnen, weitere Verhandlungsrunden sind in Vorbereitung, begleitet von internationalen Vermittlungsinitiativen.

Vor dem Hintergrund hoher wirtschaftlicher und politischer Kosten besteht auf allen Seiten ein zunehmender Anreiz zur Deeskalation. Diese Entwicklung unterstreicht, dass selbst in angespannten Phasen die Wahrscheinlichkeit einer Verhandlungslösung von den Märkten frühzeitig antizipiert wird.

Signal: Das fundamentale Bild bleibt stabil
Trotz dieser geopolitischen Spannungen zeigt sich das makroökonomische Umfeld weiterhin robust. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 ein globales Wachstum von rund 3,1 %. Das liegt zwar unter historischen Spitzenwerten, signalisiert aber einen stabilen Wachstumspfad selbst in einem anspruchsvolleren Umfeld.

Ein Investitionszyklus mit strukturellem Charakter
Grund dafür ist ein aussergewöhnlich starker Investitionszyklus im Bereich digitaler Infrastruktur. Ein Investitionsthema welches wir bereits seit längerem in den Portfolios abbilden. Die grossen Technologiekonzerne planen für 2026 Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe.

  • Alphabet: 175–185 Mrd. USD
  • Meta: 115–135 Mrd. USD
  • Amazon: rund 200 Mrd. USD

Diese Dimension verdeutlicht, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Trend handelt, sondern um einen mehrjährigen strukturellen Ausbau von Rechenzentren, Netzwerken und Halbleiterkapazitäten.

Was hier entsteht, ist die Grundlage für die nächste Phase technologischer Entwicklung.

Wenn digitale Nachfrage physisch wird
Mit dem  massiven Ausbau digitaler Infrastruktur steigt auch der Bedarf an Energie und Rechenleistung deutlich. Die Internationale Energieagentur erwartet eine anhaltend steigende Stromnachfrage – getrieben durch Elektrifizierung, Klimatisierung und datenintensive Anwendungen.

Die entscheidende Beobachtung ist dabei: Der KI-Boom manifestiert sich längst nicht mehr nur in Erwartungen, sondern in realwirtschaftlichen Investitionen.

Kapazitätsgrenzen werden zum Engpass
Das hohe Tempo der Entwicklung wird beim Blick auf die Details offensichtlich. Während zunächst vor allem Halbleiter im Fokus standen, zeigt sich heute ein breiteres Bild an Engpässen: Netzwerkinfrastruktur, Kühlung und insbesondere die Energieversorgung rücken zunehmend in den Mittelpunkt.

Moderne Rechenzentren benötigen heute Leistungen im Bereich kleiner Städte. In vielen Regionen führen lange Anschlusszeiten und infrastrukturelle Engpässe zu Verzögerungen von mehreren Jahren.

Damit wird eine zentrale Dynamik sichtbar:
Die Begrenzung liegt nicht mehr im Kapital oder in der Technologie – sondern in der physischen Umsetzbarkeit.

Selbst bei sehr hohen geplanten Investitionen dürfte dieser Engpass den Sektor über Jahre prägen und somit länger andauern als ein geopolitischer Konflikt. Für Investoren entsteht daraus eine interessante Konstellation: strukturell hohe Nachfrage trifft auf begrenztes Angebot – eine Grundlage für nachhaltige Preissetzungsmacht entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Märkte gewichten – sie ignorieren nicht
Die Marktbewegungen der vergangenen Wochen lassen sich vor diesem Hintergrund differenziert einordnen. Geopolitische Risiken werden keineswegs ausgeblendet, sondern in Relation gesetzt zu den tragenden Wachstumskräften.

Solange es nicht zu einer Eskalation kommt, die Energiepreise dauerhaft erhöht oder zentrale wirtschaftliche Prozesse beeinträchtigt, bleibt das Risiko eines fundamentalen Einbruchs begrenzt.

Hinzu kommt: Die wirtschaftliche Ausgangslage war vor dem Konflikt sehr robust. Frühindikatoren signalisierten Expansion, und die Gewinnerwartungen der Unternehmen wurden über die vergangenen Quartale hinweg kontinuierlich nach oben revidiert. In einem solchen Umfeld lassen sich selbst exogene Schocks erfahrungsgemäss besser absorbieren.

Strategie schlägt Aktivismus
Gerade in den letzten Tagen zeigte sich eine oft unterschätzte Marktdynamik: Die positiven Börsentage treten häufig in unmittelbarer Nähe zu den negativsten auf.

Wer in volatilen Marktphasen Positionen reduziert, läuft Gefahr, genau diese Erholungstage zu verpassen – mit spürbaren Auswirkungen auf die langfristige Rendite.

Dieses Muster war zuletzt mehrfach zu beobachten und unterstreicht, wie entscheidend Disziplin im Umgang mit kurzfristigen Marktbewegungen ist.

Positionierung SoundCapital: Bewusst unverändert
Die Marktbewegungen im März stellten einen ersten Belastungstest für 2026 dar. Unsere Positionierung hat sich in dieser Phase als robust erwiesen. Vor diesem Hintergrund haben wir im Anlagekomitee bewusst entschieden, unsere Ausrichtung unverändert beizubehalten.

Anleihen
Im Fixed-Income-Bereich bleiben wir in qualitativ hochwertigen Unternehmensanleihen übergewichtet. Die aktuell engen Kreditspreads bestätigen unsere vorsichtige Haltung gegenüber risikoreicheren Segmenten, insbesondere im High-Yield-Bereich.

Die Duration halten wir insgesamt neutral, beobachten jedoch die Zinsentwicklung differenziert: Während steigende USD-Zinsen selektiv Opportunitäten eröffnen können, bleiben wir im CHF-Bereich aufgrund des tiefen Zinsniveaus zurückhaltend. Auch im EUR hat sich das Zinsumfeld verbessert, womit langfristig ansprechende Renditen möglich sind.

Aktien
In der Aktienallokation liegt unser regionaler Fokus weiterhin auf der Schweiz und den Schwellenländern. Beide Regionen bieten aus unserer Sicht eine überzeugende Kombination aus Stabilität, strukturellem Wachstum und Bewertung.

Ergänzend setzen wir auf strukturelle Themen wie künstliche Intelligenz, Big Data und Energie-Infrastruktur als Wachstumstreiber.

Alternative Anlagen
Alternative Anlagen leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Stabilität. Gold erfüllt seine Rolle als geopolitische Absicherung, während marktneutrale Hedgefonds ihre Diversifikationseigenschaften in der volatilen Phase erneut unter Beweis gestellt haben.

Wir bleiben somit für Opportunitäten an den Märkten positioniert. Volatilität verstehen wir dabei nicht primär als Risiko, sondern als potenzielle Möglichkeit um Risiko zu erhöhen. 

Schlussgedanke
Die zentrale Herausforderung für Investoren besteht aktuell nicht darin, Unsicherheit zu vermeiden, sondern sie richtig einzuordnen.

In einem Umfeld schneller Nachrichtenzyklen wird die Fähigkeit zur Differenzierung entscheidend:
Was ist kurzfristiges Rauschen – und was sind langfristige Signale?

Aktuell spricht vieles dafür, dass die Märkte genau diese Unterscheidung erstaunlich gut treffen.

 

Appendix & Disclaimer

Mit SoundInsights beurteilen wir systematisch und konsistent die Aspekte, die für die Entwicklung der Finanzmärkte relevant sind. In der Folge können sich unsere Kunden auf eine rationale und antizyklische Umsetzung unserer Anlageentscheidungen verlassen.

  • Konzentration auf das Wesentliche
    Zinsniveau, Risikoaufschlag, Bewertung, Wirtschaftsentwicklung, Anlegerstimmung und -positionierung. Das sind die zentralen Faktoren. Sie entscheiden über den Erfolg an den Finanzmärkten. Besonders in turbulenten Zeiten, wenn die Versuchung besonders gross ist, irrational den Schlagzeilen hinterherzulaufen.

  • Vergleichbarkeit über Ort und Zeit
    Die genannten Faktoren sind für alle Märkte und zu jeder Zeit gleichermassen relevant. Dies ergab sich aus einem strengen «Backtesting», welches sich rollend in die Zukunft fortsetzt.
  • Bündeln unserer kumulierten Anlageerfahrung
    Unsere Stärke liegt in den langjährigen Erfahrungen unserer Partner und Principals. Genau diese Erfahrungen fassen wir zusammen und machen sie mittels SoundInsights anwendbar.
  • Transparenz
    Durch die monatliche Publikation wissen unsere Kunden stets, wo wir im Anlagezyklus stehen und wohin die Reise an den Finanzmärkten geht.

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Datenquelle: Bloomberg, BofA ML Research

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